Wenn das Fundament schief ist, dann wird das Haus nie geradestehen: Langsam bekommen die Wände Risse, die Türen verziehen sich und schließen nicht mehr richtig. Den Schaden vollständig zu beheben, ist dann fast unmöglich. Damit das nicht geschieht, arbeiten wir beim Hausbau mit einem Architekten: Er zeichnet, er tüftelt, er plant, und er beaufsichtigt die Umsetzung. Ähnlich wie das Fundament eines Hauses funktionieren in unserem Körper unsere Füße: Stehen sie schief, sind sie falsch belastet oder durch Wunden beschädigt, wirkt sich das auf unser gesamtes Wohlbefinden aus. Knie-, Hüft- oder Rückenbeschwerden und sogar Kopfschmerzen können die Folge sein.

Als Jugendliche träumte Irina Eisenbach davon, Architektin zu werden. Heute überträgt sie die Lust zu bauen, in ihr besonderes Handwerk

Anders als beim Hausbau aber gibt es beim Entwurf unseres Körpers keine perfekte, vorgezeichnete Skizze. Schiefstände, muskuläre Dysbalancen oder Haltungs- und Bewegungsdefizite gilt es, am schon fertigen Fundament auszurichten. Als Orthopädieschuhmachermeisterin kennt Irina Eisenbach alle orthopädischen Möglichkeiten und Hilfsmittel – seit mehr als 70 Jahren ist der Familienbetrieb Fußorthopädie Hans Janßen am Dampfmühlenweg 7 Architekt für unsere körperliche Statik und damit Experte rund um Maßschuhe, Veränderungen am Konfektionsschuh, Einlagen und Schuhreparaturen.

„Es ist fast witzig, dass ich tatsächlich als Schülerin überlegt habe, Architektin zu werden“, sagt die Inhaberin und lacht. „Auch heute noch übt das Bauen eine wahnsinnige Faszination auf mich aus. Hier im Geschäft hat es heute natürlich eine ganz andere Bedeutung, denn jede Anfertigung ist auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst.“ Und das hat die 50-Jährige von klein auf gelernt: 1946 gründet Eisenbachs Großvater Hans die Firma. An der Seiden- und der Gladbacherstraße versorgt er vor allem Kriegsversehrte, denen Teile vom oder sogar der ganze Fuß fehlt. Auch Opfer von Berufsunfällen wenden sich an ihn: Weil der Arbeitsschutz damals noch nicht so ausgeprägt ist, kommt es häufiger zu Unfällen bei der Arbeit. Bei Hans Janßen finden die Betroffenen Hilfe.

Aber als dieser unerwartet und viel zu früh im Jahr 1987 stirbt, ist es die Familie, die selbst auf Hilfe angewiesen ist: Solweig Janßen-Eisenbach, die Tochter, darf als Frau damals keine Ausbildung im Handwerk ablegen. Während sie die kaufmännische Leitung des Geschäftes übernimmt, stellt sie kompetentes orthopädisches Personal ein, das die Kunden versorgt. Bis sich Irina, Solweigs Tochter, nach dem Abitur selbst entschließt, die Ausbildung zu beginnen. 1992 besteht sie die Gesellenprüfung als Beste ihres Jahrgangs. Drei Jahre später schafft sie als erste Frau an der Handwerkskammer in Düsseldorf die Meisterschule und tritt direkt im Anschluss dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer bei. „Auch in dieser Zeit war es noch sehr selten, dass eine Frau im Handwerksberuf arbeitete“, sagt die quirlige 50-Jährige und lacht erneut. „Aber das störte mich ja nicht. Alles was man gerne macht, macht man gut, und ich hatte schnell gespürt, dass mich die Vielfältigkeit dieses Berufs fasziniert.“

Mit den Jahren verändert sich der Anspruch an die Fußorthopädie: Mittlerweile kommen immer mehr junge Menschen in das Geschäft. Zivilisationskrankheiten haben in Deutschland Einzug gehalten, Diabetes und Übergewicht sorgen auch für statische Beschwerden. Gleichzeitig vermehrt die erhöhte Sportbegeisterung den Handlungsbedarf. „Auch junge Sportler brauchen uns“, erklärt die Krefelderin. Dabei bringt die technologische Entwicklung nur bedingt Fortschritt in den Schaffensbereich: Denn noch immer sind die Hände und die Augen das wichtigste Diagnostik-Instrument der Fußorthopäden. „Was nützt ein tolles Computerbild, wenn man es nicht zu lesen weiß?“, fragt Eisenbach. „Wir tasten den Fuß, die Waden und die Muskulatur ab und betrachten mögliche Veränderungen. Unser großer Erfahrungsschatz ermöglicht uns die besten Versorgungsergebnisse.“ Dabei ist jedes orthopädische Hilfsmittel des Hauses ein optimal an den Patienten angepasstes Unikat.

Bei aller Wahrung traditioneller Werte investiert das Familienunternehmen auch gezielt in Innovationen. Auf die Kooperation mit der Firma Springer in Berlin rund um das sensomotorische Einlagenkonzept ist die Inhaberin beispielsweise besonders stolz. Seit 2011 ist Eisenbach zertifizierte Sensomotorik-Therapeutin für die Bereiche Kinder, Sportler und Schmerzpatienten sowie neurologische Erkrankungen. Sensomotorik bedeutet, dass über das Aufnehmen und Weiterleiten sensibler Reize entsprechende motorische Reaktionen darauf erfolgen. Die besondere Ausbildung unterstreicht das ganzheitliche Analysekonzept von Haltungs- und Bewegungsdefiziten des Familienunternehmens: Über die sensomotorische Einlage als geeignetes Therapiemittel können über den Fuß muskuläre Dysbalancen im gesamten Körper ausgeglichen werden.

Auch rund um das Design der Maßschuhe hat sich das Fachgeschäft weiterentwickelt. Denn ein Maßschuh muss nicht altmodisch sein, beweist die Expertin: Ob im schicken Schlangenlederlook, mit kultigem Absatz oder im sportlichen Stil – in der Werkstatt können Eisenbach und ihre Mitarbeiter fast jede Vorstellung Realität werden lassen. Und das ist auch heute noch, nach mehr als 30 Jahren im Beruf, die Lieblingstätigkeit der 50-Jährigen. „Der Maßschuh ist natürlich das Kernstück des Handwerks“, erklärt Irina Eisenbach, während sie sorgfältig den Lederschaft über den Leisten legt. „Wenn es ums Bauen geht, bin ich in meinem Element.“

 

 

Fußorthopädie Hans Janßen GmbH
Dampfmühlenweg 7, 47799 Krefeld (Kundenparkplatz)
Öffnungszeiten: Mo, Die, Do, Fr: 8-18 Uhr, Mi: 8-13 Uhr
Telefon 02151-29778
www.fussorthopaedie-janssen.de