Es ist drei Uhr morgens an einem Sonntag. Der damalige Polizei-Anwärter Christoph Thus wird zu einem Einsatz gerufen. Ein offensichtlich verwirrter und alkoholisierter Mann fuchtelt wild mit einem Messer herum, schreit in Richtung des angehenden Beamten. In einer Situation, in der amerikanische Polizisten nicht selten bereits von der Schusswaffe gebrauch machen, gelingt es Thus dank seiner in der Ausbildung erworbenen Fähigkeiten den Mann zu beruhigen, der schließlich das Messer weglegt und sich widerstandslos verhaften lässt. „Solche Ereignisse behält man natürlich positiv in Erinnerung, und sie bestätigen das gute Training“, erzählt der heutige Polizeikommissar, der trotz seines jungen Alters bereits auf eine Fülle von heiklen Situationen zurückblicken kann.  

Christoph Thus

Szenarien wie diese sind zwar nicht die Regel, aber auch keine Einzelfälle im Alltag des 30-Jährigen, der seit dem 1. September den silbernen Stern auf den Schultern trägt. Bereits als 14-Jähriger formte Thus nach einer Info-Veranstaltung den Wunsch, einmal Polizeibeamter zu werden, ließ davon allerdings nach dem Abitur ab und studierte zunächst Germanistik und Geschichte auf Lehramt. „Nach drei Semestern stellte ich allerdings fest, dass mich dieser Lebensentwurf nicht glücklich machen würde“, erklärt der aus St. Tönis stammende leidenschaftliche Handballer, „also ließ ich mich exmatrikulieren und bewarb mich bei der Polizei.“ Nach etlichen Prüfungen, die Allgemeinwissen, logisches Denken und charakterliche Eignung testen, gehörte er schließlich zu den 2.300 der rund 11.000 Bewerber, die jährlich für die Ausbildung zum gehobenen Dienst zugelassen werden und anschließend ein dreijähriges duales Studium durchlaufen, in dem Theorie, Praxis und Training die Grundlage bilden. „Die Ausbildung ist anspruchsvoll und teilweise auch sehr anstrengend, aber sie bereitet einen gut darauf vor, was es heißt, auf der Straße als Polizist arbeiten zu müssen“, so Thus, der weiter ausführt:Während des Studiums arbeitet man als Polizeianwärter auf der Wache und erhält im Rahmen von Praktika Einblicke in viele Bereiche der Polizeiarbeit. Spannend war dabei die Zusammenarbeit mit den Kollegen der Kriminalpolizei.“

Christoph Thus spricht ruhig und besonnen, hat ein offenes Gesicht, wache Augen und eine aufrechte Körperhaltung. Eigenschaften, die ihm im täglichen Dienst auf der Straße helfen, in dem ihm neben zahlreichen Verkehrsunfällen immer wieder Konfliktsituationen begegnen. Hier gleichzeitig bestimmend, konsequent und deeskalierend aufzutreten, gehört zu den größten Herausforderungen im Alltag. „Gerade im Spät- oder Nachtdienst am Wochenende müssen wir uns mit vielen Körperverletzungsdelikten auseinandersetzen. Oft stehen die Konfliktparteien dabei unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, die Gemengelage ist diffus und die Stimmung aggressiv. In dieser Situation gilt es, das Geschehen zu entschlüsseln und gleichzeitig auf die Eigensicherung zu achten. Was für Außenstehende sehr anstrengend klingt, macht mir tatsächlich Spaß. Mir gefallendie Herausforderung und der Einsatz am Menschen. Wir sind so gut darauf vorbereitet worden, dass ich immer das Gefühl habe, Herr der Lage zu sein“, sagt der Wahl-Fischelner mit einem Lächeln. Selbstbewusstsein, innere Sicherheit und strukturierte Handlungsmuster lernen angehende Polizisten in zahlreichen Rollenspielen genauso wie im regelmäßigen Fitness- und Selbstverteidigungs-Training. Dazu zählt letztlich auch der Umgang mit der Dienstwaffe. „Da ich bereits bei der Bundeswehr gewesen war, gab es für mich dabei keine Berührungsängste. Ich bin froh, zu wissen, dass ich im Ernstfall mit der Waffe umgehen kann, hoffe aber, sie nie einsetzen zu müssen“, so Thus.

Christoph Thus ist seit dem 01. September als Polizeikommissar auf Krefelds Straßen im Einsatz

 

„Da ich bereits bei der Bundeswehr gewesen war, gab es für mich dabei keine Berührungsängste.
Ich bin froh
, zu wissen, dass ich im Ernstfall mit der Waffe umgehen kann, hoffe aber, sie nie einsetzen zu müssen.“

 

 

 

 

 

Während der junge Polizeikommissar von seinem Umfeld und seiner Familie viel Zuspruch für seinen Beruf erhält, sieht er sich im Alltag immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. „Wir werden bespuckt, bepöbelt und beschimpft. Es ist immer die Polizei, nicht der Polizeibeamte. Als wären wir alle gleich“, sagt Thus nachdenklich. „Gegen die meisten Beschimpfungen bin ich inzwischen immun. Ich versuche, das nicht an mich herankommen zu lassen, weil ich auch zukünftig unvoreingenommen jedem Menschen begegnen möchte. Aber es ist schon unverständlich, mit wie viel Ablehnung uns teilweise begegnet wird.“ Trotzdem, so Thus weiter, sei der Polizei-Dienst nach seinem Dafürhalten ein absoluter Traumberuf. Er liebe die Abwechslung und die Tatsache, dass man am Anfang einer Schicht nie absehen kann, was auf einen zukommt. Selbst das Protokollieren der Einsätze auf der Wache weiß er inzwischen zu schätzen: „Dabei rekapituliert man nicht nur den Tag und setzt sich mit dem Geschehen noch einmal im Detail auseinander, sondern legt das Ganze auch gedanklich ad acta.“

Trotz seiner vergleichsweise geringen Berufserfahrung hat Christoph Thus bereits Situationen erlebt, die er nicht vor dem Feierabend abschütteln konnte. Sie sind zu grausam, um darüber zu schreiben. Umso beeindruckender ist aber seine gleichbleibend hohe Motivation für seinen Beruf, für den Dienst an der Gesellschaft und den Erhalt von Recht und Ordnung. Denn das ist es, was ihn und seine Kollegen antreibt. Daran sollten wir bei der nächsten unliebsamen Polizeikontrolle denken.