Auch wenn sie selten geworden sind, gibt es sie noch – identitätsstiftende Gastronomien, in denen sich wesentliche Teile des gesellschaftlichen Lebens eines Stadtteils abspielen. Ein solches Traditionslokal ist der Fischelner Burghof bereits seit mehreren Generationen. Die Beständigkeit verdankt das Lokal dabei nicht zuletzt einem Zusammenschluss engagierter Bürger, die die zwischenzeitlich von einer Umnutzung bedrohte Gaststätte nicht nur erhielten, sondern mit einem frischen Konzept noch weiter belebten. Heute boomt das Restaurant mehr denn je und hat neben gutbürgerlicher Küche und einem einzigartigen Ambiente noch weit mehr zu bieten.

Stephan Krings Geschäftsführer Fischelner Burghof

Stephan Krings, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft, die den Fischelner Burghof erhielt

 

 

 

„Der Burghof hat eine lange Tradition und viele Bürger Krefelds verbinden mit dieser Gastronomie sehr persönliche Erinnerungen.“

 

 

 

 

 

 

Der Fischelner Burghof gegenüber der St. Clemens-Kirche wurde in seinem markanten Jugendstil-Ambiente  im Jahre 1906 erbaut und befand sich seit den 1920er-Jahren im Besitz der Familie Gietz. Das vielseitige Ausflugslokal mit seinem großen Veranstaltungsraum für bis zu 300 Personen, seiner oberirdischen Parkettkegelbahn und dem urigen Biergarten im sonnigen Innenhof mauserte sich schnell zum gastronomischen Herz Fischelns. Neben dem regulären Gastronomiebetrieb erreichte das Lokal diesen Status vor allem durch zahlreiche Vereine und Parteien, die hier im Laufe der Zeit immer wieder einkehrten. „Der Burghof ist seit Jahrzehnten das Stammlokal des VfR Fischeln, Karnevalsvereine halten hier ihre Sitzungen ab, der Schützenverein hat hier seine Hauptbastion und Parteien aus dem gesamtem politischen Spektrum debattieren in den Räumlichkeiten“, weiß Stephan Krings, seines Zeichens Geschäftsführer für die Region Rheinland des größten deutschen Recyclingunternehmens Remondis und Ur-Fischelner. „Der Burghof hat eine lange Tradition und viele Bürger Krefelds verbinden mit dieser Gastronomie sehr persönliche Erinnerungen. Daher war es schlicht undenkbar, dass das Lokal anders genutzt werden sollte“, ergänzt Krings, der hier selbst mit seiner Familie viele Freudentage erlebte und sichtlich an dem Restaurant hängt.

Fischelner Burghof, innen

Zu Beginn dieses Jahrzehnts entschied sich die Familie Gietz dazu, den Hof zu veräußern – nicht etwa aus finanzieller Not, sondern aufgrund einer ungeklärten Nachfolgeregelung innerhalb der Familie. Viele Fischelner traf die Nachricht wie ein Schlag. Der Dornröschenschlaf des kulturellen Stadtteilzentrums und die darauffolgenden Spekulationen über die weitere Nutzung waren für viele Bürger nur schwer zu ertragen – so auch für Stephan Krings. Entsprechend engagiert setzt er sich seit 2013 gemeinsam mit weiteren hochdekorierten Bürgern für den Erhalt der Lokalität ein. „Mein Onkel Josef Krings und der ehemalige Stadtwerke-Vorstand Horst Hannappel haben die Initiative ins Leben gerufen. Heute zählen mit mir 14 Personen und die St. Sebastianus-Bruderschaft zu den Teilhabern der GmbH“, erläutert der heutige Geschäftsführer der Immobiliengesellschaft, die den Burghof schlussendlich im Jahr 2015 erwarb und seitdem behutsam modernisierte.

„Unser Ziel war von Beginn an, dass der Burghof weiterhin Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens bleibt. Wir wollten ihn retten, konnten aber nicht selbst als Gastronomen tätig werden. Glücklicherweise fanden wir in der Familie Simon schnell ideale Pächter, die mit genauso viel Herzblut hinter dem Projekt stehen wie wir“, so Krings. Pächterin Miriam Simon, ihres Zeichens gelernte Restaurantfachfrau und ihr Mann Rene Simon, gelernter Koch aus Stralsund an der Ostsee, betreiben das Restaurant leidenschaftlich gerne und sind inzwischen mit ihren Söhnen in die Räumlichkeiten in der ersten Etage eingezogen. „Erst im Juli heirateten die beiden kirchlich und feierten dann im großen Stile hier im Burghof – ein schönes Statement und ein Beweis dafür, wie sehr sie sich in ihre Rolle eingefunden haben“, freut sich Krings.

Fischelner Burghof Biergarten

Die grundsätzliche Ausrichtung des Burghofs ist seit dem Kauf durch die Bürgergesellschaft und die Übernahme durch die Pächterfamilie Simon unverändert geblieben. Statt radikal mit der Vergangenheit zu brechen, entschloss man sich dazu, das denkmalgeschützte Objekt behutsam in die Gegenwart zu überführen. Die Denkmalbehörde der Stadt Krefeld habe die baulichen Maßnahmen dabei stets kooperativ und fachkundig begleitet, so Krings. Erst im Juni dieses Jahres wurde die Fassade restauriert, im Sommer des letzten Jahres der Boden der Gaststätte neu verlegt und bereits drei Jahre zuvor eine moderne Küche installiert. „Das Grundkonzept ist weiterhin eine regionale und gutbürgerliche Küche in gemütlicher Atmosphäre, flankiert von den vielen Möglichkeiten, die die Räumlichkeiten für private, geschäftliche und bürgerschaftliche Anlässe aller Art bieten. Neu ist hingegen, dass wir uns stärker als zuvor auch um hochkarätige Veranstaltungen bemühen“, sagt Krings mit Blick auf Highlights wie vergangene Auftritte von den Bläck Fööss, dem noch anstehenden Fischelner Oktoberfest oder dem Auftritt des beliebten Kabarettisten Stefan Verhasselt. Die Tradition zu wahren und trotzdem mit der Zeit zu gehen – dieser Spagat ist im Fischelner Burghof eindrucksvoll gelungen und so stehen die Zeichen gut, dass auch viele weitere Generationen  Fischelner Bürger hier unvergessliche Erinnerungen sammeln werden.

Fischelner Burghof, Marienstraße 108, 47807 Krefeld, www.zum-fischelner-burghof.de