… Christoph Borgmann und Lutz Gottschalk

 

Der Einzelhandel einer Stadt ist weit mehr als ein zum Selbstzweck initiiertes Geschäftsmodell von profitorientierten Unternehmern. Läden bedeuten Identität. Sie formen das Gesicht der Innenstadt und bestimmen in Quantität und Qualität in nicht geringem Maße über die Attraktivität der urbanen Zentren. Der Zustand des Einzelhandels wird vornehmlich von zwei Faktoren bestimmt: dem Einkaufsverhalten der Konsumenten und den Einzelhändlern selbst. Frank Tichelkamp, Marketingleiter der Brauerei Königshof und nimmermüder Fahnenträger der Seidenstadt, erkennt in der Vernetzung des hiesigen Einzelhandels unausgeschöpfte Potentiale. Gemeinsam mit Christoph Borgmann und Lutz Gottschalk wirbt er für mehr Solidarität, Verantwortung für den Standort und eine Abkehr der weitverbreiteten Nörgelkultur. Krefelder für Krefeld lautet die über allem stehende Maxime.

 

Frank Tichelkamp

Gastgeber Frank Tichelkamp, Marketing-Leiter der Brauerei Königshof, lädt in der Reihe „Auf ein Plopp mit..” unterschiedliche Gäste zu wechselnden Themen ein. Er möchte damit für einen Zusammhalt der Stadt mehr Engagement werben


Dass der Einzelhandel im Verbund am besten agiert, ist gerade in Zeiten der Onlineshops keine neue Erkenntnis. Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich verändert. Waren sie vor 25 Jahren noch gezwungen, zur Warenbeschaffung den lokalen Einzelhandel aufzusuchen, versprechen dieser Tage etliche Webshops mit einem breiten Angebotsspektrum schnelle und vor allem bequeme Abhilfe. Für den Einzelhandel bedeutet das, neben der Bedarfsbefriedigung neue Reizpunkte zu setzen:
verkaufsoffene Sonntage, Events und Unterhaltung. Wenn potentielle Kunden den Weg in die Stadt auf sich nehmen, möchten sie auch etwas erleben. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe des Einzelhandelsverbandes und der angegliederten Werbe- und Interessengemeinschaften. Obwohl alle Händler dabei in einem Boot sitzen, greifen nur wenige zum Ruder. „Tatsächlich haben alle, die in Krefeld Handel betreiben, das gleiche Ziel“, beginnt Christoph Borgmann zu erzählen, aber leider spiegelt sich das im Engagement nicht bei allen wider. Ursächlich sind dafür aus meiner Sicht zwei Entwicklungen: Zum einen gibt es in der Innenstadt immer mehr Filialisten, die keine Verbindung zur Stadt haben und deswegen offenbar auch kein Verantwortungsbewusstsein entwickeln, zum anderen gibt es etliche Eigenbrötler, die sich nur auf sich selbst konzentrieren und den Wert einer Gemeinschaft und die daraus resultierenden Vorteile nicht erkennen oder auch nicht erkennen wollen.“ Christoph Borgmann, der sich in der Werbegemeinschaft und dem Einzelhandelsverband auf Führungsebene engagiert, möchte gerade die großen Filialisten zum Umdenken bewegen: „Es kann nicht sein, dass Millionen-Euro-Unternehmen wie beispielsweise Primark oder Rossmann überhaupt keinen Beitrag leisten, aber die ersten sind, die nach verkaufsoffenen Sonntagen fragen.“ Aus seiner Sicht müsse ein Beitrag der Konzerne zur Stadtentwicklung verpflichtend sein: „Solche Unternehmen sind große Arbeitgeber der Stadt. Es ist völlig widersinnig, dass eben jene die Hände in den Schoß legen und im Kielwasser der anderen schwimmen.“  

„Ich bin davon überzeugt, dass wir uns als Gemeinschaft keinen Gefallen tun, wenn wir immer nur auf das Negative blicken. Krefeld hat so viel zu bieten und entwickelt sich an vielen Ecken prächtig. Es wäre schön, wenn wir unsere Wahrnehmung zunehmend darauf lenken würden.“


Lutz Gottschalk, Inhaber des weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Geschäfts „Viva Optik“, ist ebenfalls Mitglied der Werbegemeinschaft und kann sich die Ressentiments gegenüber der Interessenvertretung nicht erklären. „Wir sind offen für jeden und immer gewillt, einen Konsens zu finden“, sagt der aus Hamburg zugezogene Wahl-Krefelder und verweist auf die Querelen rund um die Weihnachtsbeleuchtung in der Adventszeit: „Für alle in der Innenstadt angesiedelten Geschäfte sind die Wochen vor dem Fest die umsatzstärksten des Jahres. Warum sich allerdings nur so wenige an der Finanzierung beteiligen, bleibt für mich absolut schleierhaft. Ich habe schon den Eindruck, dass bei einigen die Meinung vorherrscht: ‚Solange es ein paar Doofe gibt, die das machen, muss ich mich nicht darum kümmern. Dieser Mangel an Solidarität ist nicht nur schlecht für die Stadt, sondern auch ein Schlag ins Gesicht für diejenigen, die sich der Verantwortung gegenüber dem Standort stellen.“ Doch Gottschalk fordert nicht nur ein größeres Maß der Bereitschaft seiner Kollegen, sondern appelliert
auch an ein Umdenken der Krefelder im Allgemeinen. Nach seinem Dafürhalten gebe es vieles, worauf wir in der Innenstadt stolz sein könnten: „Ich bin davon überzeugt, dass wir uns als Gemeinschaft keinen Gefallen tun, wenn wir immer nur auf das Negative blicken. Krefeld hat so viel zu bieten und entwickelt sich an vielen Ecken prächtig. Es wäre schön, wenn wir unsere Wahrnehmung zunehmend darauf lenken würden.“

 

Frank Tichelkamp

 

Fakt ist: Ein funktionierender Einzelhandel und eine lebendige, die Menschen anziehende Innenstadt sind untrennbar miteinander verwoben. Nicht selten bestimmt der Zustand das Zentrum als sogenannter Weicher Standortfaktor sogar über die Neuansiedlung großer Unternehmen in der städtischen Peripherie. Doch für Frank Tichelkamp und die Brauerei Königshof steht das zwischenmenschliche Pflichtbewusstsein im Mittelpunkt. „Wir, die wir in Krefeld arbeiten, müssen miteinander reden und uns zusammen für das Wohl unserer Stadt einsetzen. Nur ein Klima des gegenseitigen ‚Sich-die-Hand-Reichens‘ ist ein Garant für eine erfolgreiche Zukunft.“