Digitalisierung – der Begriff schwebt immer noch über vielen Köpfen wie ein Damoklesschwert. Das oftmals komplizierte „Kleingedruckte“ und die unbeschränkten Zugriffsmöglichkeiten Fremder auf private Daten verunsichern viele Verbraucher derart, dass sie das Thema lieber ad acta legen, bevor sie sich näher damit auseinandersetzen. Auch die Digitalisierung des eigenen Arbeitsplatzes wird oftmals kritisch beäugt – meist eine Folge mangelnden Wissens. Die VHS Krefeld möchte aufklären und bietet im kommenden Semester praxisnahe Seminare und Vorträge zu Chancen und Risiken der Digitalisierung an. Das Thema: „Smart Life – Alltag 4.0“.

 

Damit Verbraucher die Scheu vor der Nutzung digitaler Angebote verlieren, lernen, richtig mit ihnen richtig umzugehen und die Vorteile erkennen, hat die VHS ein interessantes Themenpaket geschnürt. Es gibt Kurse zu Sprachassistenten wie Alexa und Siri und zu Streamingdiensten wie Netflix und Spotify. Weitere Inhalte sind Online-Banking, Google- und Ebay-Nutzung und Clouddienste. Außerdem gibt es Internetkurse für Senioren und Informationen über die Regelung des digitalen Erbes. Letztere Frage ist seit dem Urteil des Bundesgerichtshofes, das einem Berliner Elternpaar den Zugriff auf die Facebookseite seiner verstorbenen Tochter erlaubte, geklärt. Das digitale Erbe betrifft auch Online-Rechnungen und Abo-Dienste, die nicht mehr vom eigentlichen Inhaber administriert werden können. Der Crashkurs „Pimp my parents“ beinhaltet den Umgang mit YouTube & Co. und richtet sich an Eltern, deren Kinder mit dem Smartphone arbeiten.

Die VHS Krefeld in digitaler Aufbruchstimmung

Künftig sollen alle Kursräume der VHS mit interaktiven Whiteboard-Systemen ausgestattet sein

 

Besuch in einem „Smart Home“

Interessant ist auch der Besuch eines sogenannten „Smart Homes“ in Düsseldorf. Christine Brocks, Bereichsleitung IT und Social Media bei der VHS Krefeld, hat es entdeckt und ist begeistert: „Es ist eine komplette Wohnung mit Garten. Hier wird den Teilnehmern erläutert, wie man mit einem Tablet oder der TV-Fernbedienung verschiedene Dinge digital steuern kann: zum Beispiel die Rolläden, das Licht, die Musik, die Schließanlage oder das Garagentor. Das ist vor allem deshalb interessant, weil sich viele dieser Dinge im eigenen Zuhause relativ leicht nachrüsten lassen.“

Die Digitalisierung in Firmen löst dagegen noch manche Ängste bei einigen Mitarbeitern aus. Bereits im ersten Semester dieses Jahres hat daher die VHS in Zusammenarbeit mit der Industrie-Initiative „Zukunft durch Industrie – Krefeld“ die Reihe „Made in Krefeld 4.0 – Zukunft durch Innovation“ ins Leben gerufen. Beantwortet werden sollten Fragen wie diese: Welche Unternehmen können Teilnehmern Digitalisierungsprozesse erlebbar vermitteln? Wie sehen digitale Produkte und Dienstleistungen aus? Wie läuft eine digitale Produktion?

Die VHS Krefeld in digitaler Aufbruchstimmung

Michael Schreiber, stellvertretender VHS-Direktor: „Wir möchten Digitalisierung praktisch erlebbar machen.“

„Wir konnten drei Krefelder Unternehmen gewinnen, die schon sehr fortschrittlich aufgestellt sind und die wir mit interessierten Teilnehmern besucht haben: die Stünings Medien GmbH, die ZSK Stickmaschinen GmbH sowie die Weltenweber GbR“, berichtet Michael Schreiber mit einem Strahlen in den Augen. Er führt weiter aus: „Bei den Betriebsbesichtigungen geht es nicht nur darum, digitale Maschinen zu erklären, sondern um übergeordnete Themen wie Prozessoptimierung und digitale Vernetzung von Maschinen und Anlagen sowie Mitarbeiterqualifizierung. Am Beispiel Stünings sieht man, wie Unternehmen von Digitalisierungsprozessen profitieren und dabei ihre Mitarbeiter mitnehmen und weiterbilden können.“

Christine Brocks ergänzt: „Dabei wird dann auch deutlich, dass es nicht nur um Maschinen geht, sondern auch um Menschen, ohne die die Arbeit nicht funktionieren würde.“ Der stellvertretende VHS-Direktor ergänzt: „Lediglich die Arbeit und die Anforderungen verändern sich. Vieles ist weniger Handarbeit, dafür aber vielleicht ein Stück weit mehr Kopfarbeit.“ Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das seit fünf Jahren durch die VHS angebotene  Firmenschulungsangebot „vhs pro business“. Unternehmen, die Weiterbildungsbedarf für ihre Mitarbeiter haben, wenden sich an die VHS, die sich um die Umsetzung von  Fach- und Spezialthemen kümmert. „Die individuell zugeschnittenen Seminare werden in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung oder Personalabteilung der Unternehmen entwickelt“, so Michael Schreiber, der das Angebot bei der VHS verantwortet.

Die VHS Krefeld in digitaler Aufbruchstimmung

Christine Brocks, Bereichsleiterin IT und Social Media, befürwortet
spielerisches Lernen: „Gamification darf auch in der VHS stattfinden.“

„Frontalunterricht ist out. Je mehr Sinne man beim Lernen anspricht, desto besser ist das Ergebnis.“

 

VokabelApps und digitale Lernspiele

In den kommenden ein bis zwei Jahren bekommen sämtliche Schulungsräume im Hauptgebäude und an der Gartenstraße eine moderne digitale Lernumgebung. Einige Dozenten testen zurzeit interaktive Whiteboard-Systeme. In den Fremdsprachenkursen und im Deutschunterricht für Zugewanderte werden künftig vermehrt VokabelApps, Lernspiele und interaktive Lernplattformen eingesetzt. IT-Expertin Christine Brocks sieht gleich zwei Vorteile: „Wer Spanisch oder Chinesisch lernen möchte, lernt nebenbei spielerisch den Umgang mit digitalen Medien. Die Kursteilnehmer könnten in Zukunft zum Beispiel auch kleine Vokabel-Wettbewerbe veranstalten, die wie das ,Quizduell‘ funktionieren“. Michael Schreiber weiß, dass Zugewanderte sehr technikaffin sind: „Viele besitzen Smartphones. Warum sollen wir diese Medien nicht in den Unterricht einbinden oder dazu nutzen, Übungsaufgaben im Internet zu machen oder einen Online-Vokabeltrainer aufzurufen? Das erhöht den Lernspaß und letztlich auch den Lernerfolg.“

Die VHS Krefeld hat einen erfolgreichen Weg eingeschlagen, zwei ihrer Ziele sinnvoll miteinander zu verbinden: Lernort der analogen Begegnung zu sein und digital gut gerüstet in die Zukunft zu gehen.

 

 

VHS Krefeld, Von-der-Leyen-Platz 2, 47798 Krefeld, Telefon: 02151-3660-2664, www.vhs.krefeld.de