Laurel und Hardy, Bud Spencer und Terence Hill, Holmes und Watson – in der Popkultur sind gemischte Doppel ein Garant für schlagfertige Dialoge und ulkige Charakterkontraste, die die Bauchmuskeln der Rezipienten zum Hüpfen bringen. Wer hat nicht mindestens eines der legendären Duos in sein Herz geschlossen und freut sich jedes Mal aufs Neue, ihnen in Büchern, Filmen oder Serien zu begegnen? Mit Simon Arens und Dominik Schramm hat auch Krefeld „Zwei wie Pech und Schwefel“, die aus dem städtischen Vereinswesen nicht mehr wegzudenken sind, seit sie mit knapp zwanzig Jahren entschlossen, sich aktiv dem lokalen Brauchtum zu widmen.

Simon Ahren

Simon Ahren

Als 18-Jähriger trat Simon Arens, der vielen Krefeldern als Store Manager des Schuhfachhandels SneakRs bekannt ist, aus reiner Neugier dem Verein Creinvelt bei und wurde schnell überzeugter Heimatkabarettist. Die 1927 gegründete Gesellschaft hat sich dem Erhalt und der Förderung des Krefelder Brauchtums verpflichtet. „Ich hatte keine Ahnung, wie viel Spaß das machen kann, bis mein Opa mir eines Tages vorgeschlagen hat, mir das Ganze mal anzuschauen. Du lernst so viele Leute kennen, denen du sonst gar nicht begegnen würdest, mit denen du dich aber problemlos unterhalten kannst, weil durch den Karneval ein gemeinsames Interesse da ist“, erzählt der heute 24-Jährige. Trotzdem wünschte sich Simon bald eine „bessere Hälfte“, um fortan aktiv das Bühnenprogramm mitzugestalten. „Als ich zwei Jahre bei Creinvelt war, habe ich mich gefragt, wer aus meinem Freundeskreis da gut reinpassen würde. Dominik kannte ich damals gar nicht so gut, aber ich wusste, dass er gut Krieewelsch Platt kann. Also hab‘ ich ihn einfach mal gefragt.“ Seither existieren Simon und Dominik während der Karnevalssaison nur noch in Symbiose, perfekt eingespielt. Im Gespräch antworten sie oft unisono, beenden die Sätze des anderen, brechen zeitgleich in Gelächter aus, wenn sie eine lustige Erinnerung teilen. „Bei Creinvelt betreiben wir im Grunde Gesellschaftskarneval“, erklärt

Dominik Schramm

Dominik Schramm

Dominik, der hauptberuflich als Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitet. „Im ersten Jahr haben wir ‚Bürger mit Migrationshintergrund‘ gespielt, Simon einen Bayern und ich einen Flüchtling aus Uerdingen. Danach sind wir mit unserem Mentor Johannes Kockers aufgetreten, der uns auch in die Prinzengarde geholt und die letzten drei Jahre sehr unterstützt hat.“ In ihrem dritten gemeinsamen Bühnenjahr wollen Dominik und Simon, die neben der Prinzengarde und dem Creinvelt e.V. auch mehreren Schützen- vereinen angehören, ein Detektivduo mimen, das einen absurden Fall zu lösen hat. Auf Krieewelsch, versteht sich. „Wir stellen die Theorie auf, dass das Seidenweberhaus nicht abgerissen wird, weil sich darunter das verschollen geglaubte Bernsteinzimmer befindet. Dominik ist der steife, seriöse Detektiv und ich bin der Verklatschte – wie bei Sherlock Holmes und Doktor Watson“, verrät Simon. Creinvelt sei grundsätzlich sehr offen für die verschiedensten Themen und lasse den Akteuren viel Spielraum für die Programmkonzeption. „Wir machen uns über uns als Gesellschaft lustig, aber hacken auch mal ein bisschen auf der Krefelder Politik rum…“ – „Persiflieren!“, verbessert Dominik grinsend und wird damit ganz seiner Rolle des Creinvelder Holmes gerecht.

Mission Traditionserhalt

Simon und Dominik sind überzeugt, dass das lokale Brauchtum einem Großteil der Krefelder Bürger trotz fehlender Eigeninitiative wichtig ist. „Ich glaube, die meisten fänden es schade, wenn es diese regionalen Eigenarten und Traditionen nicht mehr geben würde. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass das in Krefeld weiter bestehen kann“, erläutert Simon. Die Motivation der beiden Freunde spiegelt eine weitgreifende Bewegung der jungen Krefelder Szene, die in den vergangenen Monaten auch den Einzelhandel und die Veranstaltungskultur beeinflusste: „Support your locals“, sagt Simon schlicht. Dabei sei es wichtig, jungen Leuten aktiv einen Anreiz zu geben, sich mit den heimischen Angeboten auseinanderzusetzen – besonders heute, da aus aller Welt Impulse und Einflüsse auf uns hereinströmen. „Wie sollte ein Jugendlicher auch auf die Idee kommen, sofern er nicht durch seine Familie dahingehend geprägt wurde, in den Schützen- oder Karnevalsverein einzutreten? Wenn ich mich zurückerinnere, war mir schon bewusst, dass es solche Vereine gibt, aber einzutreten stand nicht unbedingt auf dem Zettel. Obwohl ich immer vaterstadtverbunden war“, gibt Dominik zu bedenken. „Ich kann mir vorstellen, dass es vielen nicht leichtfällt, sich darauf einzulassen. Dabei musst du nicht Karnevalist von der Pike auf sein, um Spaß daran zu haben.“ Selbstverständlich haben Interessierte die Möglichkeit, sich erst einmal einen Eindruck vom karnevalistischen Vereinsleben zu verschaffen, bevor sie sich mit Haut und Haar dem Vereinsleben verpflichten. „Bei den meisten Vereinen kann man via Kontaktformular unverbindlich anfragen, ob man probeweise an einer Sitzung teilnehmen kann“, weiß Simon. Wer die Begeisterung der beiden Jungkarnevalisten spürt, kommt nicht umhin, mindestens neugierig zu werden.

Creinvelt

„Das Brauchtum muss gepflegt werden, es ist schließlich ein Kulturgut“, befindet Dominik mit augenzwinkerndem Pathos. In wenigen Tagen werden die krieewelschen Spaß-Ermittler wieder auf die Bühne treten, um den Creinveldern ihre Ermittlungsergebnisse vorzustellen. Das Bernsteinzimmer unter dem Seidenweberhaus ist nur eine von vielen Ideen, die das Gespann künftig vor Publikum darbieten möchte. Für den Austausch mit Interessierten sind Simon und Dominik übrigens immer gern zu haben. In den kommenden Wochen wird man die beiden auch außerhalb der Vereinshallen noch oft zu Gesicht bekommen.

Infos unter: www.creinvelt.de & www.prinzengardekrefeld.de