Zum Jahresende hat die KR-ONE-Redaktion wieder symbolisch einen Teil ihrer Zeit zugunsten des sozialen Miteinanders verschenkt. Wir haben Menschen besucht, die Großartiges leisten und angepackt, wo uns ein Beitrag wertvoll erschien. Wir wurden zu Ehrenamtlern des Besuchsdienstes im Helios Krankenhaus, zu Seniorenbegleitern im Auftrag des Vereins für Haus- und Krankenpflege, zu freiwilligen Helfern der Bahnhofsmission und Sauberkeitsbeauf-tragten für müllfreie Spielplätze. Ein Engagement von Petra Verhasselt, Ann-Katrin Roscheck, Esther Jansen und Oliver Nöding.

 

Mit Müllsack und Tatendrang für saubere Spielwiesen

Ein kühler Herbsttag. Feste Schuhe an den Füßen, eine Mülltüte in der Hand und weitere in der Tasche. Auf dem Smartphone habe ich vier Spielplätze bei Google-Maps eingetippt. Meine heutige Mission: Müll sammeln, dort, wo er am wenigsten hingehört. Als ich Kind war, habe ich mich bei jedem Wind und Wetter unter freiem Himmel aufhalten wollen. Spielplätze waren für meine Freunde und mich immer ein beliebter Anlaufpunkt – zunächst zum Buddeln, Rutschen und Sandburgen-Bauen mit den Eltern, später für geheime Bandentreffen,
Versteckspiele und stundenlanges Schaukeln. Nachdem meine Kollegin Christine Lauter im Sommer bereits einen großen Spielplatz-Report geschrieben hat und dort auf die zum Teil nicht unerhebliche Vermüllung aufmerksam machte, habe ich beschlossen, meinen Teil zu einem sauberen und ungefährlichen Spielumfeld beizutragen.
So steuerte ich die Nördliche Lohstraße, die Steckendorfer Straße, den Anne-Frank-Platz und den Uerdinger Stadtpark an. Obwohl an all diesen Spielplätzen ausreichend Mülleimer zur Verfügung stehen, war ich erstaunt,
wie viele Bonbonpapiere, Pizzakartons, Taschentücher und Hygieneartikel trotzdem im Sand landen. Einiges wird Spaziergängern oder Eltern unbemerkt aus den Taschen gefallen sein, doch beim Großteil meiner Funde
handelte es sich zweifellos um bewusst Liegengelassenes. Auch wenn mich diese Willkür ärgert, hatte das Müllsammeln mit der Zeit beinahe etwas Meditatives, das mich am Ende mit einem Gefühl der Befriedigung
erfüllt hat. Die drei genannten Spielplätze werden nicht die letzten gewesen sein, denen ich einen Besuch abstatte – einen meiner regelmäßigen Spaziergänge mit offenen Augen und Mülltüte anzutreten, ist schließlich denkbar einfach. // Esther Jansen

Wer sich übrigens gerne aktiv für saubere und sichere Spielplätze sowie die Weiterentwicklung des Krefelder Spielplatzangebots engagieren möchte, hat die Möglichkeit, Spielplatzpate der Stadt Krefeld zu werden! Informationen dazu finden Sie unter www.krefeld.de/familienportal/inhalt/spielplatzpaten

 

Die Geschichtentruhe der Bahnhofsmission: Ein warmes Wohnzimmer für Hilfesuchende

Wenn die Eisblumen an die Fenster malen und der Atem in der kalten Luft in kleinen Wölkchen verfliegt, ist hinter den großen Fenstern auf Bahnsteig 1 Hochbetrieb: Rund 100 Menschen suchen in der Bahnhofsmission am Krefelder Hauptbahnhof täglich Schutz vor abwertenden Blicken und verletzenden Kommentaren – und das nicht nur im Winter. Rund eine Tonne Kaffee verbraucht alleine die Krefelder Mission im Jahr und schafft durch die hervorragende Arbeit der Ehrenamtlichen einen Schutzraum für Menschen, die in den klassischen gesellschaftlichen Strukturen oft unsichtbar werden. Egal, ob ungewaschen und übermüdet, ob mit einer Alkoholfahne oder drogensüchtig, egal, ob Analphabet oder gescheiterter Akademiker, egal ob bei Verstand oder einfach nur mitteilungsbedürftig: Die Bahnhofsmission gibt Menschen ein Gesicht, die wir bei unserem Stadtrundgang am liebsten übersehen würden. Dabei hat jeder Mensch eine Geschichte, und das wollte ich mir durch meine geschenkte Zeit in der Bahnhofsmission noch einmal bewusst vor Augen führen.
So habe ich Gottfried kennengelernt, der mich im Sudoku locker abzieht, auf der Straße lebt und seine Familie unglaublich vermisst. Unser gemeinsamer Kaffee war ein Geschenk für uns beide. //Ann-Katrin Roscheck

Bahnhofsmission Krefeld, Am Hauptbahnhof auf Gleis 1. Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 8 bis 12 Uhr, Mo bis Do, 12.30 Uhr bis 18 Uhr, Die, 18 bis 21 Uhr, jeden letzten Samstag im Monat, 9 bis 12 Uhr.
Die Bahnhofsmission ist dringend auf der Suche nach Ehrenamtlern und Kaffeespenden! Kontakt: Telefon 02151-314050 | Spendenkonto: DDE21 3205 0000 0000 0012 22, Stichwort: Bahnhofsmission

 

Ehrenamtlicher Besuchsdienst im Helios Klinikum: Grün wie die Hoffnung

„Guten Morgen, wie geht es Ihnen heute?“, schallt es fröhlich, aber nicht forsch, in eines der Patientenzimmer auf der HNO-Station des Helios Klinikums, wo Monika Christen vom Ehrenamtlichen Besuchsdienst der Ökumenischen Krankenhaushilfe Krefeld heute ihre Runde macht. Man erkennt sie am hellgrünen Kittel, den auch ich heute für ein paar Stunden tragen darf. Ich nehme neben dem Bett der Patientin Platz. Beim Plaudern
höre ich ihren sympathischen Klever Dialekt heraus und frage, warum sie im Krefelder Klinikum liegt und nicht in ihrer Heimatstadt Bedburg-Hau. „Dort haben sie keine HNO-Abteilung“, erzählt die rüstige ältere Dame mit der unübersehbaren Nasentamponade und schiebt lächelnd hinterher: Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben.“ Damit es die Patientin komfortabler hat, stellen Monika Christen und ich das Kopfteil ihres Bettes ein wenig höher und füllen ihre Wasserflasche auf. In einem sehr netten Gespräch, das sich nun entwickelt, blüht die Patientin sichtlich auf. Beeindruckend ist ihre Haltung zum Leben, die sie so umreißt: „Meinen Humor  konnte mir bisher keiner nehmen. Ich hab‘ schon viel Angst gehabt. Aber was nutzt es alles?“ Nach einer Viertelstunde verabschieden wir uns, um weitere Besuche auf der HNO-Station zu machen. Als ich die Tür hinter mir schließe, spüre ich, dass diese Begegnung mein Herz erfüllt hat: mit Dankbarkeit, dass es mir selbst gut geht, aber vielmehr noch mit Freude, einem Menschen Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, die dankbar angenommen wurde.

Sensibilität, Fähigkeit zum Zuhören und Verschwiegenheit
„Nicht immer sind die Gespräche so leicht“, sagt die Besuchsdame Katleen Thüring, die ich danach bei ihrer Runde auf der Lungenstation begleiten darf. Dort liegen auch Krebspatienten, die ihr Schicksal nicht so einfach
meistern wie die Dame aus Bedburg-Hau. „Außerdem gibt es immer mehr Menschen, die alleine sind“, weiß Thüring. Durch regelmäßige Schulungen hat sie gelernt, belastende und traurige Fälle nicht mit nach Hause zu nehmen und auch mit dem Tod von Patienten umzugehen. Katleen Thüring und Monika Christen sind zwei von 30 Damen und acht Herren, die ehrenamtlich einmal in der Woche drei bis vier Stunden Zeit an Patienten verschenken, die das möchten. Das geschieht in Gesprächen, in denen es um die Kinder oder Enkelkinder, den Garten oder Haustiere geht. Je nach Situation kommen aber auch das persönliche Schicksal und der Umgang mit der Krankheit zur Sprache. Dann sind Sensibilität, die Fähigkeit zum Zuhören und Verschwiegenheit gefragt. Die Besuchsdamen unterliegen wie Ärzte und Pfleger selbstverständlich der Schweigepflicht. Darüber hinaus begleiten die Ehrenamtler Patienten bei Spaziergängen, in die Cafeteria oder zu Untersuchungen, sie helfen beim Umzug in ein anderes Zimmer oder übernehmen kleine Besorgungen.

Weitere Ehrenamtler sind gefragt
Wenn Sie zwischen 40 und 70 Jahre alt sind und Interesse an dieser verantwortungsvollen ehrenamtlichen Aufgabe haben, freut sich die Ökumenische Krankenhaushilfe Krefeld über das Engagement freiwilliger Damen
und explizit auch Herren. Bevor die Bewerberinnen und Bewerber auf den Stationen aktiv werden, gibt es eine Schulung. Zum erweiterten Programm gehören Fortbildungen und Seminare zu medizinischen Themen oder in
Gesprächsführung, auch in Zusammenarbeit mit den Seelsorgern. Und dann werden die Ehrenamtler schon bald das erste zufriedene Lächeln oder Dankeschön von Patienten bekommen, das sie wiederum als Geschenk
mit nach Hause nehmen können. //Petra Verhasselt

Ehrenamtlicher Besuchsdienst der Ökumenischen Krankenhaushilfe Krefeld, Telefon: 02151-32-0, info@oekh-krefeld.de

 

Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege e.V.: Mensch-Ärgere-Dich-Nicht im Schütenhof

Im Oktober 2018 hat der Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege e. V. den Schütenhof in Bockum bezogen und zur Tagespflegestätte ausgebaut. Wochentags werden hier insgesamt bis zu 19 Senioren betreut und versorgt – von morgens bis nachmittags. Es gibt ein großes Esszimmer mit angeschlossener Küche sowie mehre Aktivitäts-,  Ruhe- und Therapieräume. Zweimal in der Woche wird gemeinsam gekocht, an den anderen Tagen kommt das Essen vom eigenen Essen auf Rädern-Service. Ich habe mir die Einrichtung ausgesucht, um für ein paar Stunden auszuhelfen: Auch, weil wir uns alle darauf einstellen müssen, früher oder später einen pflegebedürftigen Angehörigen zu haben.

Zunächst kann Köchin Marlies Pfortmüller meine Dienste noch entbehren, daher nehme ich am Spieltisch für eine Partie „Mensch-ärgeredich-nicht“ mit Frau Wallis* und Herrn Hommes* Platz. Der rüstige, gut gelaunte Mann würfelt vier Sechsen nacheinander, übersieht aber, dass er mich in aussichtsreicher Position rauswerfen kann. Als ich ihn später darauf hinweise, blitzt es kurz aus seinen Augen, aber er versteht, dass ich der einzige bin, der den fulminanten Sieg von Frau Wallis noch verhindern kann. Die alte Dame mit den großen Augen
ist gerissen, tut während des Spiels so, als wüsste sie nicht, worum es geht, aber dann hat sie plötzlich als Erste alle Hütchen nach Hause gebracht. Irgendwann gesellt sich Frau Schmidt* zu uns, die sehr verspannt ist und kaum aufrecht sitzen kann. Ich massiere sie mit einem Igelball zwischen den Schultern. Anschließend geht es zurück an den großen Herd zum Pfannkuchenbacken. Marlies freut sich, dass jemand mithilft, und ich lerne von ihr, wie man die Pfannkuchen mithilfe des Topfdeckels wendet. Zum Abschluss wird gemeinsam gegessen. Nach
ein paar schönen Stunden ist mein Besuch vorbei. Es hat Spaß gemacht, und ich glaube, auch die älteren Damen und Herren haben sich über die Abwechslung gefreut. Die Betreuungsassistentin Gisela Mischorr ruft mir noch nach: „Bis Montag!“ Wahrscheinlich will Herr Hommes eine Revanche. // Oliver Nöding

*Namen der Senioren von der Redaktion geändert.

Krefelder Verein für Haus- und Krankenpflege e. V., Uerdinger Straße 624, 47800 Krefeld, Telefon: 02151-83900, info@pflegedienst-krefeld.de, www.pflegedienst-krefeld.de