Für die einen sind Kirchen wie ein zweites Zuhause, vertraute Räume der Besinnung und des Gebets, die anderen besuchen sie nur im Sightseeing-Kontext des Sommerurlaubs. Nicht selten dienen sakrale Bauten aufgrund ihrer unbestreitbaren Ausstrahlung als Veranstaltungsorte – und hier treffen sich die beiden Gruppen. Die alle zwei Jahre stattfindende Krefelder Kirchennacht hat diesen Gedanken aufgegriffen und gibt Interessierten mit und ohne Glaubenshintergrund eine Möglichkeit, verschiedene Gotteshäuser in einem ungezwungenen Rahmen kennenzulernen. 

Organisator der Krefelder Kirchennacht, Klaus Norbert Kremers

27 katholische, protestantische, neuapostolische, evangelikale, russisch- und griechisch-orthodoxe Gemeinden im gesamten Stadtgebiet nehmen in diesem Jahr an der Kirchennacht teil. Jede von ihnen hat ein eigenes Programm auf die Beine gestellt. Verantwortlich für die Rahmenplanung der Großveranstaltung sind Klaus-Norbert Kremers, Bettina Steinhaus und Michael Eickmann von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Krefeld. „Mit der Kirchennacht möchten wir allen Interessierten die Möglichkeit geben, Kirche mal anders kennenzulernen“, erläutert Kremers. „Die Gemeinden sind gebeten, möglichst keine klassischen Gottesdienste abzuhalten, sondern zu anderen, ungewöhnlicheren Veranstaltungsformen in ihre Kirchen einzuladen. Was genau angeboten wird, entscheiden die Gemeinderäte jeweils ganz autonom.“ Schirmherr der Veranstaltung ist Oberbürgermeister Frank Meyer, der selbst das Event eröffnen und als Redner einer Podiumsdiskussion zum Thema „Krankheit – Heilung – Heil“ in der Maria-Hilf-Kapelle des Alexianer Krankenhauses auftreten wird.

Das Programm der Kirchennacht – Vielfalt für jeden Geschmack

So bunt wie die Gemeinden selbst ist auch das diesjährige Programm. In einigen Kirchen bildet ein musikalisches Angebot den thematischen Kern. Manche Gemeinden laden zu besonderen Gebets- oder Messfeiern ein, andere wiederum möchten durch interaktive kreative Angebote zum Austausch anregen.
Vielerorts bietet die Kirchennacht außerdem Möglichkeiten, sich über glaubensbezogene Themen zu informieren. „In diesem Jahr sind beispielsweise zum ersten Mal auch zwei orthodoxe Gemeinden dabei. Das finde ich sehr
schön, denn es bringt mehr Diversität in das Geschehen“, erzählt Klaus-Norbert Kremers. Neben der  griechischen Gemeinde Heilig Geist öffnet auch die russisch-orthodoxe St. Barbara-Kirche ihre Türen. Da am Abend des 17. Mai mehr als 80 verschiedene Programmpunkte stattfinden, empfiehlt es sich, je nach Interesse unterschiedliche Gemeinden aufzusuchen. Zwei besondere Highlights möchten wir hervorheben:

Lena Bröder: Miss Germany 2016 über ihr Leben „zwischen Glauben und Glamour“

Die Göttingerin Lena Bröder kann trotz ihres jungen Alters auf eine spannende Lebensgeschichte zurückblicken. Seit 2009 nimmt die 30-Jährige regelmäßig an Schönheitswettbewerben teil und wurde 2016 zur Miss Germany gekürt. Auf ihrem Weg begleitete die studierte Lehrerin stets ihr Glaube; Lena Bröder ist praktizierende Katholikin. Ihren Bezug zur Religion und die Antwort auf die Frage, wie das mit ihrem glamourösen Hobby zusammenpasst, schrieb sie im Buch „Das Schöne in mir – Mit Glaube zum Erfolg“ nieder. Das überreichte sie im Sommer 2016 desselben Jahres auch Papst Franziskus – und wurde damit zur ersten „Miss Germany“, die je von einem katholischen Kirchenoberhaupt empfangen wurde. Ihre Geschichte wird Lena Bröder im Rahmen der Krefelder Kirchennacht mit den Besuchern des Dreifaltigkeitsklosters Königshof teilen.

VIVA-Moderator Mola Adebisi über Alltagsrassismus

Auch die Krefelder Mennonitengemeinde wird am 17. Mai einen prominenten Gast begrüßen. Das Abendprogramm beginnt mit einem Konzert für Orgel und Flöte, in dessen Anschluss der ehemalige VIVA-Moderator Mola Adebisi über Alltagsrassismus und seine persönlichen Erfahrungen „zwischen Rassenhass und Promihype“ sprechen wird. Diese thematisiert er auch in seinem 2013 veröffentlichten gleichnamigen Buch. Als Tausendsassa der Medienbranche musste der gebürtige Uelzener, der unter anderem als Moderator, Tänzer, Schauspieler und Synchronsprecher tätig war, vielerorts Erfahrungen mit Anfeindungen aufgrund seiner Hautfarbe machen. Von seinem Umgang mit der Fallhöhe zwischen Anerkennung und Ausgrenzung wird er in der Mennonitengemeinde erzählen.

Eine detaillierte Programmübersicht ist zu finden unter www.krefelder-kirchennacht.de. Außerdem bieten die Organisatoren in Form des „Infomobils“ eine Möglichkeit zur direkten Informationsabfrage. Es steht am 4. und 11. Mai auf dem Dionysiusplatz, am 8. Mai auf dem Danziger Platz in Linn und am 16. Mai auf dem Fischelner Marienplatz. Die SWK unterstützt die Veranstaltung und bietet ab 18 Uhr Tickets der Preisstufe A für das gesamte Stadtgebiet an.

 

 

Nacht der offenen Kirchen in Krefeld: 17. Mai 2019, 19-23 Uhr