Seit mehreren Jahrhunderten hält sich eine alte Seemannsgeschichte hartnäckig mit wiederkehrenden Erzählungen über Wasser. Bernard Fokke, besser bekannt als der Fliegende Holländer, umsegelte im 17. Jahrhundert mehrfach das Kap der Guten Hoffnung und erzielte dabei kaum zu erklärende Geschwindigkeiten. Schnell wurde dem Händler ein Pakt mit dem Teufel nachgesagt, der Fokke letzten Endes zum Kentern brachte und ihn zum ewigen Umhertreiben auf den Weltmeeren verdammte. Eelco van Velzen toppt die Geschwindigkeiten seines verwunschenen Landsmannes mit Leichtigkeit. Nur dass der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes Calypso alles andere als furchteinflößend ist.

 

Kreuzfahrt Calypso Die Sage vom Singenden Holländer

Unaufhaltsam bahnt sich das rund 75 Meter lange Schiff seinen Weg gegen die Strömung des Rheins in Richtung des Uerdinger Anlegesteges. Keine Leichtigkeit, da das Flussbecken nach der sommerlichen Dürreperiode Tiefstand hat. Steht der Kahn still, können die am Ufertuschelnden Beobachter es kaum erwarten, an Bord des schwimmenden Hotels kommen zu dürfen. Während einige sich zunächst in ihren gemütlichen Kajüten einrichten, fluten die ersten Passagiere bereits das großzügige Sonnendeck. Ebenfalls gut besucht: der große Salon. Schon beim Eintritt in den verzierten Raum schwappt ein wenig Titanic-Nostalgie auf jedeneinzelnen der Gäste über. In den Sesseln des Saals schmeckt neben Frühstück, Mittag- und Abendessen auch der ein oder andere Drink besonders gut. Je nach Ziel werden die Neuankömmlinge dann in den nächsten vier bis vierzehn Tagen rund um die Uhr verwöhnt.

 

„Wir versuchen unseren Gästen immer etwas Besonderes anzubieten. Bei unseren Touren geht es nicht nur ums Ziel, sondern vielmehr um die Fahrt selbst.“

Was bei vielen zur Tradition geworden ist, war lange keine Selbstverständlichkeit. Erst im Herbst 2013 schafften es Birgit und Antonius Wolf, den Anlegeplatz wieder zum Startpunkt einiger Kreuzfahrten zu machen. „Wir kennen Eelco und seine Frau Jaline schon viele Jahre. Früher sind wir immer zum Hafen nach Düsseldorf gefahren, um mit der Calypso abzulegen. Irgendwann haben wir uns dann gefragt, wieso es eine solche Möglichkeit nicht auch in Uerdingen gibt, obwohl der Anlieger ideal dafür geeignet wäre“, erklärt Birgit Wolf, die nach den Gedankenspielen die Initiative ergriff und sich an den Uerdinger Heimatbund wandte. Mit Erfolg: Im kommenden Dezember legt das Kreuzfahrtschiff, das Platz für bis zu 90 Passagiere bietet, bereits zum 25. Mal in Uerdingen ab. Für die viertägige Jubiläumstour über das Ijsselmeer wurde die niederländische Gemeinde Deventer als Ziel ausgegeben. In der idyllischen Kleinstadt findet das bekannte Charles Dickens Festival statt, das den Höhepunkt der Fahrt darstellt. Ein eintägiger Aufenthalt mit einer Führung ist dabei Teil des Programms. „Wir versuchen unseren Gästen immer etwas Besonderes anzubieten. Bei unseren Tourengeht es nicht nur ums Ziel, sondern vielmehr um die Fahrt selbst“, meint Wolf weiter. Aus diesem Grund Fährt Kapitän van Velzen nur tagsüber. Die Passagiere sollen alle Eindrücke der Umgebung und Route auf sich wirken lassen und dabei noch kleine, zuvor unbekannte, Fleckchen am Flussrand entdecken.

Kreuzfahrt Calypso Die Sage vom Singenden Holländer, Eelco van Velzen

Skipper Eelco van Velzen navigiert die Calypso stets sicher über den Rhein

 

 

Um einen interessanten Landgang zu ermöglichen, kommt es nicht selten vor, dass der Ozeanriese einen Tag stillsteht. Die zurück an Deck Gekommenen erwartet dann ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm. Neben dem Bord-Entertainer, der zu Tanz und Schwof einlädt, kümmert sich Skipper van Velzen eigens um das Wohlergehen seiner Gäste. Egal wie ruhig der 65-Jährige hinter seinem Steuer sitzt, am Mikrofon dreht der Käpt’n richtig auf. Über eine Stunde gibt der Seebär neben Anekdoten auch einige selbst komponierte Lieder und Witze von sich. Eine One-Man-Show, die bisher noch alle begeistert hat. Van Velzenerzählt: „Ich habe früher viel Musik gemacht und sogar eine eigene CD aufgenommen. Von denen wurden hier an Bord immerhin schon 1.400 Exemplare verkauft. Die Gäste sollen einfach Spaß haben. Wenn ich dazu beitragen kann, umso besser.“

 

 

 

Seit 49 Jahren arbeitet der selbstständige Schifffahrer nun auf dem Wasser. Ein anderer Beruf kam dabei eigentlich nie infrage. Schon 1978 war van Velzen Steuermann der Calypso und hätte sich damals noch nicht träumen lassen, dass ihm der Kreuzer einmal gehören würde. „Schon als junger Mann habe ich immer davon geträumt, selbstständig zu sein. Ein eigenes Schiff zu haben ist etwas ganz Besonderes. Bevor ich mir 2002 den Traum erfüllt habe, mir die Calypso zu kaufen, gehörten mir zunächst ein Frachter und später ein anderes Kabinenschiff. Mein Ziel habe ich nun aber erreicht“, so der Niederländer. An ein Ende will van Velzen aber noch nicht denken. „Der Tag, an dem ich aufhöre, wird natürlich kommen. Aber das liegt hoffentlich in weiter Ferne. Ich will noch ein bisschen was erleben, bevor ich in den Ruhestand gehe“, meint der 65-Jährige schmunzelnd. Wenn es dann einmal so weit ist, könnten um den stets zu Scherzen aufgelegten Holländer noch eigene Sagen entstehen.

 

Kontakt: Telefon: 02151710717, birgit.wolf@yahoo.de