Von der Serenade im Rittersaal der Burg Linn über Tanz an ungewöhnlichen Orten bis zum Niederrheinischen Literaturpreis: Die Arbeit des Kulturbüros zeichnet sich durch ihr außerordentlich breit aufgestelltes und überaus abwechslungsreiches Angebot für alle Alters- und Interessentengruppen aus. Gesicht des Kulturbüros ist seit fast 20 Jahren sein Leiter Jürgen Sauerland-Freer.

In seinem Büro in der Villa Merländer hängt eine eingerahmte Briefmarke mit einem Zitat Friedrich Schillers: „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“ Dieses versteht er als Fingerzeig, mehr noch, als ein Leitmotiv seines Engagements in der Krefelder Kulturlandschaft mit ihren vielen ambitionierten Akteuren. „Es ist großartig, was alles in unserer Stadt auf die Beine gestellt wird“, weiß Jürgen Sauerland-Freer zu berichten und ergänzt: „Das muss man in anderen Städten der Größenordnung Krefelds erst einmal finden – und zwar über alle Sparten hinweg!“ Spartenvielfalt herrscht daher auch im Kulturbüro, was sich in dessen drei Aushängeschildern Bandoneon, Figurentheater und zeitgenössischer Tanz widerspiegelt – aber nicht nur bei diesen.

Im Zweijahresrhythmus findet das renommierte Bandoneon Festival statt. Das tongebende Instrument des argentinischen und uruguayischen Tangos wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Heinrich Band, einem Sohn unserer Stadt, entwickelt, bevor es durch deutsche Auswanderer in die Hafen-Spelunken von Buenos Aires und Montevideo gelangte. „Im Herbst dieses Jahres erlebt das Festival bereits seine 13. Auflage. Gleichzeitig ist eine populärwissenschaftliche musikhistorische Publikation zum Thema in Vorbereitung. Auch können wir uns sehr glücklich schätzen, dass sich seit einiger Zeit dank der Unterstützung unseres Fördervereins ein generalüberholtes, spielfähiges Bandoneon aus der Musikalienhandlung Heinrich Bands in unserem Besitz befindet“, erläutert der Kulturbüroleiter und ergänzt: „Unserem Ziel, eine Instrumentensammlung als Dauerausstellung einzurichten, sind wir mit inzwischen elf weiteren uns geschenkten oder durch den Förderverein erworbenen Instrumenten einen guten Schritt weitergekommen.“

 

Nicht nur für Kinder: Figurentheater auf höchstem Niveau

Ebenfalls alle zwei Jahre und alternierend mit dem Bandoneon Festival werden seit 2009 unter dem fantasieanregenden Namen „Budenzauber“ Figurentheaterproduktionen für Erwachsene gezeigt, die hohe Begeisterung wecken. Hier stehen unter anderem bedeutende Dramen der Literaturgeschichte in ungewöhnlichen Darstellungsformen auf dem Spielplan, während bei den in der Regel im März jeden Jahres über die Bühne gehenden Krefelder Puppentheatertagen Inszenierungen für Kinder im Fokus stehen. Überhaupt werde die Arbeit für und mit dem Nachwuchs sehr großgeschrieben, betont Jürgen Sauerland-Freer: „Es ist kulturpolitisch außerordentlich wichtig, dass Wege aufgezeigt werden, wie man sich mit Kultur auseinandersetzen kann.“ Neben der Teilnahme an den Landesprogrammen „Kultur und Schule“ sowie „Kulturrucksack“ wird der Aspekt der kulturellen Bildung durch wissenschaftliche Konferenzen ergänzt. „Parallel dazu muss es eine Reflektion geben, weswegen wir am 21. Juni unter dem Motto ,Wissen ohne Grenzen? Globalisierte Bildung – Versprechen und Versagen‘ bereits zum fünften Mal eine Tagung in der Fabrik Heeder abhalten werden“, so Sauerland-Freer. Dass der Ruf auf diesem Gebiet Tätige gerade dorthin ereilt, ist alles andere als ein Zufall, beheimatet die ehemalige Tapetenfabrik doch auch das dem Kulturbüro zugehörige KRESCHtheater, das 1991 gegründete Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Stadt Krefeld. Das zeigt seitdem nicht nur für seine Zielgruppe professionelles Theater, sondern erarbeitet gleichberechtigt auch mit ihr Schauspiele und wurde in der Vergangenheit mit vielen Preisen für seine Produktionen bedacht.

 

Die Tanz-Avantgarde zu Gast in der Seidenstadt

Die Studiobühne ist ferner auch überwiegender Schauplatz für die dritte große Säule im Portfolio des Kulturbüros, den zeitgenössischen Tanz, der als Schwerpunkt Jürgen Sauerland-Freer besonders am Herzen liegt: „Vor allem mit unseren Tagen für modernden Tanz ,Move!‘, bei denen die Avantgarde der Tanzszene bei uns zu Gast ist, aber auch mit ,move in town‘ an ungewöhnlichen Orten und der Plattform für junge Choreografinnen und Choreografen ,FIRST AND FURTHER STEPS‘ hat sich Krefeld für die Mittelzentrenförderung TANZ des Landes Nordrhein-Westfahlen qualifizieren können. Somit erhalten wir neben drei weiteren Häusern in NRW seit 2009 zum zweiten Mal in Folge 90.000 Euro Fördermittel über einen Zeitraum von drei Jahren zusätzlich.“ Auch die Literatur und die Bildende Kunst kommen in all den Aktivitäten nicht zu kurz, wobei hier vor allem die Vernetzung von Kunstschaffenden und die Lesungen sowie Workshops des Niederrheinischen Literaturhauses an der Gutenbergstraße 21 im Vordergrund stehen. Seit Mitte 2016 ist auch die NS-Dokumentationsstelle dem Kulturbüro zugehörig. Unter neuer Führung soll sie zukünftig noch stärker die Vermittlung von Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus an Schülerinnen und Schüler übernehmen. „Diese Bandbreite und so einiges weitere mehr, wie beispielsweise unser Exotikum, die Entomologische Sammlung in der ehemaligen Schule Marktstraße, funktioniert nur, weil ich mit einem ganz tollen Team arbeiten kann“, lobt Jürgen Sauerland-Freer, der Anfang nächsten Jahres altersbedingt sein Amt als Kulturbüroleiter abgibt. „Jeder weiß, was zu tun ist und macht dies mit großem Engagement. Wir wollen fördern, was es schwer hat.“

 

Kulturbüro der Stadt Krefeld
Jürgen Sauerland-Freer
Villa Merländer, Friedrich-Ebert-Straße 42, 47799 Krefeld
Tel.: 02151 5836-0
Mail: kultur@krefeld.de
Web: www.krefeld.de/kulturbuero