Das Handwerk von der Pike auf gelernt – aber anders als gedacht. Nicht nur hinsichtlich seines Karrierewegs ist Peter Grunow ein echtes Original – und seit Jahren ein Fixstern im Krefelder Nachtleben. Als umtriebiger Wirt der traditionsreichen „Doctor Flotte“ machte er in der hiesigen Gastronomieszene auf sich aufmerksam: Mit Professionalität und Herzlichkeit schuf er dort eine zweite Heimat für seine Gäste und verschaffte der Institution eine echte Renaissance. Seit vergangenen Oktober kommen nun neue Gäste in den Genuss dieser ausgeprägten und authentischen Gastfreundlichkeit, denn seitdem ist Peter für den Diebels Fasskeller verantwortlich.

 

Wenn man mit Peter ins Plaudern kommt, geht es sehr oft ums Feiern: Schon in seiner Jugend liebte er es, mit Freunden durch die Kneipen zu ziehen, mit Menschen zusammenzukommen und den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen.  „Wahrscheinlich habe ich als Gast am meisten über den Beruf des Gastwirts gelernt“, verrät er ein zentrales Geheimnis seiner „Kneipenphilosophie“. Das Interesse am Menschen, die Lust, auf sie zuzugehen, die Freude, ihnen einen schönen Abend zu bescheren, sind die Grundvoraussetzungen, die Peter von Beginn an mitbringt. Bier ausschenken kann jeder, aber diese spezielle Atmosphäre, die die Gäste dazu bringt, jeden Abend wiederzukommen und Geld für ein Produkt zu bezahlen, das es im Supermarkt viel günstiger gibt, entsteht nicht durch Zauberhand. Sie ist das Resultat eines genauen Blicks für die Details, akribischer Arbeit und eines feinen Gespürs für die Bedürfnisse der Gäste.

In einer Kneipe, das weiß Peter aus eigener Erfahrung, suchen die Menschen zwei Dinge, die sich eigentlich widersprechen: Sie wollen Abwechslung, aber auch einen Ort, an dem sie sich wie zu Hause fühlen. Beiden Wünschen gerecht zu werden, ist die Aufgabe des Wirtes. „Den Gast zu begrüßen, am besten mit Namen, ist das A und O“, weiß er. Für Abwechslung sorgen unter anderem regelmäßige Veranstaltungen. In der „Flotte“ führte Peter zusammen mit Ermias und Isy Tedla Events zum Karneval, zum Oktoberfest, eine Mallorca-Party oder natürlich Fußballabende via Sky ein. Der Laden platzte auf dem Höhepunkt aus allen Nähten: „Eigentlich habe ich den Leuten nur gegeben, was sie wollten.“ Peter muss selbst schmunzeln, weil das so unverschämt viel einfacher klingt, als es ist. Aber sechs Jahre ohne Rauswurf oder Hausverbot sind im testosterongeschwängerten, alkoholdurchtränkten Nachtleben eine beachtliche Marke. Wenn man etwas aufgebaut hat, was die Menschen schätzen, dann haben sie selbst ein Interesse daran, es zu bewahren.

Während seiner ersten Karrierestation hatte Peter noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Es passt zu ihm, das hinter seinem Engagement bei McDonald’s kurz nach dem Wehrdienst in erster Linie die Aussicht auf ein fremdfinanziertes Partywochenende stand. „Ein Freund von mir arbeitete dort, und für die Anwerbung eines neuen Mitarbeiters gab es 100 Mark“, erinnert er sich lachend. Der Freund war kurze Zeit später weg, und aus der Finanzspritze wurde nichts; dafür entdeckte Peter ungeahnte Talente. Innerhalb kurzer Zeit stieg er von der einfachen Hilfskraft zum Leiter der Filialen an der Rheinstraße und am Bahnhof auf. „Ich habe dort gelernt, immer alles gleichzeitig im Blick oder auch im Ohr zu behalten: Kasse, Sitzbereich, Küche. Als Chef musst du jederzeit die Kontrolle haben.“ Die Zeit bei McDonald’s verschafft ihm auch einen anderen Zugang zur Krefelder Gastroszene, deren Protagonisten er nun nicht mehr nur als Gast kennenlernt.

Der schwierigste Karriereschritt ist demnach nicht der folgende Wechsel aus der Fast-Food- in die Nachtgastronomie, nein. Es ist der Seiten- und Perspektivwechsel von vor nach hinter der Theke, den er in seiner alten Stammkneipe ,der „Flotte“, von einem Tag auf den anderen schaffen muss. „Das war für viele, mit denen ich vorher noch zusammen gefeiert habe, ein Schock“, lacht er. Zumal er den eisernen Grundsatz verfolgt, während der Arbeitszeit nicht zu trinken. Aber es ist ein Schritt, den er bis heute nicht bereut und der ihn, so könnte man sagen, seiner wahren Bestimmung zuführt. Peters Karriereweg, das ist ebenso schön wie passend, verlief einmal um die Theke herum. Tauschen möchte er heute nicht mehr.  Was nicht bedeutet, dass er keinen Spaß mehr am Feiern hätte.

Nach seinem Erfolg in der „Flotte“ ist es nicht verwunderlich, dass ihn 2018 Volko Herdick anruft, um ihm den Diebels Fasskeller anzubieten. Nach zwei Tagen Bedenkzeit, die er für einen seiner bis heute 53 Mallorca-Aufenthalte nutzt, schlägt Peter ein. In seinem „deutschen Pub“ – neben vier Sorten Bier vom Fass gibt es auch eine gut ausgewogene Speisekarte – verzeichnet der Vollblut-Wirt seither monatliche Rekordeinnahmen. Auch in den Karnevalstagen wird der Diebels Fasskeller zum Hot Spot im Nordbezirk avancieren Es warten Auftritte von Jeck United und Specktackel zu Altweiber, eine 80er-Trainingsganzugsparty am Freitag, Kostümparty mit Wettbewerb am Samstag, die After-Zug-Party am Sonntag und natürlich die große Sause zum Rosenmontag. Ein Teil der zu erwartenden Gästeschar ist ihm aus der „Flotte“ gefolgt.  Der Gastwirt als Rockstar mit eigenen, ihm nachreisenden Fans? So weit will Peter nicht gehen, dafür genießt er die Rolle als aufmerksamer, aber unaufdringlich im Hintergrund waltender Gastgeber viel zu sehr. Aber es stimmt schon: Wenn man sich bei jemandem wohlfühlt, dann bleibt man ihm treu. Warum sollte das in der Nachtgastronomie anders sein als im echten Leben?

 

Diebels Fasskeller
Hülser Straße 8, 47798 Krefeld
Telefon: 02151-28495
Mail: info@diebels-fasskeller.de
Web: www.diebels-fasskeller.de