,Zu Biggi gehen‘ – Selten hat ein reiner Vorname in Krefeld so viel beinhaltet wie ihrer: Über Jahrzehnte hinweg beschrieb Groß wie Klein mit dieser Floskel, was man denn in seiner Freizeit gerne treibe. Jeder wusste, von wem die Rede ist, und jeder wusste, wofür der Name stand: für eine ausgezeichnete, facettenreiche und fundierte Tanzausbildung mit viel Spaß fernab jeder Form von Leistungsdruck. 1981 eröffnete die gelernte Tanz-, Gymnastik und Musikpädagogin ihr eigenes Studio, das sie über 30 Jahre mit schier endlosem Engagement leitete. Während dieser Zeit tanzten mehrere tausende Paar Beine durch ihre Kurse und die ihres Teams. Als der Wunsch nach mehr Freizeit und Privatleben stärker wurde, trennte sie sich von ihrem Studio und geht nun neue Wege.

 

Wo leben Sie heute und was machen Sie dort? Ich lebe mit meinem Mann und meinem Hund nach wie vor in Krefeld, ich genieße meine Zeit sowie die schönen Seiten unserer Stadt mit ihnen. Ich verreise gerne und widme mich all den Dingen, zu denen mir bislang die Zeit fehlte. Meine große Liebe gilt aber nach wie vor dem Tanzen und dem Unterrichten. Das lebe ich nun im Studio 232 meiner langjährigen Kollegin Anja Santoriello aus, wo ich Kreativen Kindertanz lehre und Kurse für Jugendliche und Erwachsene leite.

Für welches Gericht würden Sie jedes Sterne-Menü verschmähen und wer kocht es am besten? Für einen guten Kaiserschmarrn lass ich alles stehen! Leider gibt es ihn hier bei uns sehr selten. Aber wenn ich in Österreich bin, kann die Speisekarte noch so lang und gut sein, ich wähle den Kaiserschmarrn!

Welches war die erste Platte, die Sie in Dauerschleife gehört haben? (lacht:) „Ich will ‘nen Cowboy als Mann“ von Gitte Haenning. Ich habe als Kind stundenlang Cowboy und Indianer gespielt, nicht nur, aber vor allem zu Karneval. Da wundert es mich nicht, dass das Lied mein Herz so berührt hat!

Wenn Sie die Augen schließen, welcher Sehnsuchtsort erscheint Ihnen und warum? Das ist gar kein bestimmter Ort: Ich sehe Wasser, dahinter eine traumhafte Bergkulisse, dazu strahlenden Sonnenschein. Dann bin ich richtig glücklich! Als ich noch Spinning unterrichtet habe und meine Kursteilnehmer aufforderte, sich eine Route vorzustellen, die sie mit ihrem Rad fahren, war meine immer inmitten von Bergen an einem Flussufer.

Welches war der historischste Moment in Ihrem Leben? Das war der Mauerfall. Ich bin oft mit Showtruppen die Transitstrecke zu Auftritten nach Berlin gefahren, das war so furchtbar bedrückend. Einmal bin ich sogar angehalten worden und habe regelrecht gezittert. Noch heute erscheint es mir als unfassbares Glück, dass damals die Rädchen der Geschichte so und nicht anders ineinander gegriffen haben und dass die Proteste nicht in einer großen Katastrophe geendet sind.

Was wird an Ihnen für gewöhnlich unterschätzt? Da muss ich ehrlich antworten: Ich habe nie das Gefühl, unterschätzt zu werden.

Welches war das schönste Kompliment, das Sie jemals bekommen haben und von wem? (lacht:) Ich bekomme jeden Tag so viele super Komplimente von meinem Mann, das sind die wichtigsten! Das heißt natürlich nicht, dass Komplimente anderer Leute mich nicht auch freuten!

Zu welchem Anlass haben Sie zuletzt einen handgeschriebenen Brief verschickt? Ich habe keine Ahnung… (lacht:) Deswegen bin ich davon überzeugt, dass es kein Dokument war, das die Welt erschüttert hätte!

Wie haben Sie‘s mit der Religion? Ich glaube, dass da eine göttliche Macht ist, die alles zusammenhält und dass dieses Leben hier nicht alles gewesen sein kann. Aber mit einer Religion, die sagt, was richtig und was falsch ist, kann ich gar nichts anfangen, denn ich hinterfrage alles.

Und zu guter Letzt: Denk‘ ich an Krefeld… …kann ich gar nicht so schnell antworten… In Krefeld wurde in früheren Generationen so viel Schönes und Bedeutendes aufgebaut, das sich in Stadtbild, -kultur und -geschichte erhalten hat und von dem wir heute noch profitieren. Aber wenn ich sehe, wo seit Jahren die Entwicklung hingeht, bin ich enttäuscht und böse. Viele große Entscheidungen wurden und werden falsch getroffen: All die wichtigen Dinge wie das Glasdach an der Haltestelle Rheinstraße, das Behnisch-Haus, aber auch das Stadtwaldhaus oder das alte Stadtbad – was ist aus dem, was wir neu errichtet oder mitgegeben bekommen haben, geworden? Dabei gibt es so viele Krefelder, die im Kleinen mit viel Eigeninitiative ganz tolle Sachen auf die Beine stellen. Was mich zuletzt sehr bewegt hat, war die Open-Air-Vorstellung „TRIAS – Das Triadische Ballett“ im Rahmen von „Kultur findet Stadt“ auf dem Willy-Göldenbachs-Platz zum Bauhausjubiläum. Davon
hätte ich gerne sehr viel mehr!

Vielen Dank für das Gespräch!
Interview: Christine Lauter