Langsam breitet er seine Flügel aus und erreicht mit einer Spannweite von über zehn Zentimeter seine vollkommene Schönheit: In einem kräftigen Blau erstrahlen seine Schuppen. Dann, elegant und leichtfüßig, erhebt er sich in die Lüfte, um auf die Suche nach dem nächsten Landeplatz zu gehen. Der Blaue Morphofalter lebt eigentlich in den tropischen Regenwäldern Mexikos, Mittelamerikas, in Südamerika oder auf westindischen Inseln. Durch die Rodung der Wälder und die verbotene Jagd auf die wunderschönen Tiere verliert er aber seinen Lebensraum und kann zukünftig eine gefährdete Art werden. Das Logo der Krefelder Zoofreunde verziert ein Abbild des Schmetterlings kunstvoll. Das ist kein Zufall, erklärt Friedrich R. Berlemann als
1. Vorsitzender des Fördervereins: „Der Zoo ist ein Notausgang für alle Arten, die zukünftig keinen Platz mehr in der Natur haben. Unsere Hauptaufgabe ist es, den Zoo dabei zu unterstützen. Dafür sammeln wir Gelder, um naturnahe Gehege und artengerechte Umgestaltungen möglich zu machen.“

Zoofreunde Krefeld

Über seine Tätigkeit im Marketingclub fand Fried- rich R. Berlemann zu den Zoofreunden. Eine Liebe, die gewachsen ist: Heute ist er der 1. Vorsitzende

Genau wie der Blaue Morphofalter, der seit 2010 im durch die Zoofreunde finanzierten SchmetterlingsDschungel lebt, haben diverse Tiere durch die herausragende Initiative des Vereins in den letzten Jahren ein neues Zuhause bekommen. An der Wandlung des Zoos zu einer modernen Anlage, in der Tiere in einem natürlichen Habitat leben können, ist der Förderverein maßgeblich beteiligt. „Im Haushalt der Stadt ist kein Budget für neue Anlagen vorgesehen“, klärt Schatzmeister Joachim Brimmers auf. „Jede Veränderung, jede Entwicklung, jedes neue Gehege muss eigenständig vom Zoo übernommen werden. Ohne Spendengelder können die Projekte nicht umgesetzt werden.“ Dabei ist die Arbeit des Zoos so wichtig: Weiterhin befindet sich die Welt im Krisenmodus – rund 30 Prozent der durch den WWF untersuchten Tierarten stehen auf der Roten Liste und sind damit vom Aussterben bedroht. Ob durch Menschenhand, den Klimawandel oder andere, natürlich Einflüsse: Der Lebensraum vieler Tiere geht seit dem Verschwinden der Dinosaurier kontinuierlich verloren. Eine gesteuerte Fortpflanzung durch Einrichtungen wie den Krefelder Zoo schafft unabdingbare Abhilfe. „Das ist gar nicht so leicht“, beschreibt Dietmar Schörner als 2. Vorsitzender des Vereines. „Aber wir wissen um unsere Verantwortung.“ Und die ist seit der Überführung des Zoos in eine gemeinnützige GmbH gestiegen, denn die Zoofreunde sind nun Mitgesellschafter.

„JEDE VERÄNDERUNG, JEDE ENTWICKLUNG, JEDES
NEUE GEHEGE MUSS KOMPLETT VOM ZOO ÜBERNOMMEN WERDEN. OHNE SPENDENGELDER KÖNNEN DIE PROJEKTE NICHT UMGESETZT WERDEN.“

Zoofreunde Krefeld

An einer extra eingerichteten Bude informieren Dietmar Schörner und seine Vereinskollegen über den geplanten Neubau des SchimpansenWaldes

Als Beispiel nennt der Vorstand die Gorillas. Als ältester in Zuchtbüchern geführte Silberrücken Europas genießt Massa eine bewundernswerte Bekanntheit in der Szene. Seit 1975 lebt er in Krefeld und war damals einer der ersten Bewohner des Affentropenhauses. Aber Massa ist inzwischen ein Senior und mit 48 Jahren nicht mehr zeugungsfähig. „Massa soll trotz- dem hier, in seinem Zuhause, seinen Lebensabschluss finden“, erklärt Friedrich R. Berlemann. „Neben Massa hätte aber ein zweiter, zeugungsfähiger Anführer nicht bestehen können.“ War der Bau des neuen GorillaGartens mit Außengelände bereits beschlossen, führte die Zeugungsunfähigkeit des Menschenaffen zu einem teuren Umdenken: Auf einmal wurden aus dem geplanten Gelände für eine Gruppe eine Anlage, die einer zweiten Gorillagruppe Heimat schenken sollte. „Denn nur so konnte der Nachwuchs durch den neuen Silberrücken Kidogo weiterhin gesichert werden“, erklärt der Vereinsvorsitzende weiter. Über 2,2 Millionen Euro konnten die Zoofreunde dafür sammeln und wurden belohnt: 2013 wurde der freundliche Menschenaffe Vater und führt seitdem eine zweite Gruppe im Krefelder Zoo an. „Der Artenschutz geht auf“, sagt Dietmar Schörner und lacht. Ähnlich stellt sich die Situation nun bei den Schimpansen dar: Galt früher das Affentropenhaus aufgrund seiner Modernität als Vorbild für ganz Europa, sind diese Standards heute veraltet. Die westafrikanischen Schimpansen brauchen eine naturnah gestaltete Außenanlage mit einer abwechs- lungsreichen Umwelt, um ihre intellektuellen Fähigkeiten auszubilden und den komplexen sozialen Verhaltensweisen von Menschenaffen gerecht zu werden. Mit der Errichtung einer neuen Außenanlage soll nicht nur die Haltung der alten Schimpansengruppe verbessert, sondern auch die Gruppe verjüngt werden. „Die westafrikanischen Schimpansen sind stark vom Aussterben bedroht“, informiert Dietmar Schörner weiter. „Alleine in den letzten 25 Jahren verschwanden rund 80 Prozent der Tiere.“ Der Bau des neuen SchimpansenWaldes mit vielfältigen Reizen für die Tiere und ansprechenden Beobachtungsplattformen für den Zoobesucher kostet fast 2,6 Millionen Euro.

Bereits zwei Millionen Euro konnten die Zoofreunde bisher für das Projekt sammeln. Allein mit rund 50.000 Euro beteiligt sich in jedem Jahr die Zoolotterie. Schon seit 1989 verkaufen rund 30 Helfer in der Bude vor den Seelöwen „das kleine Glück“ am Wochenende. Für 50 Cent wird ein Los gezogen, das Geld kommt dem jeweils aktuellen Projekt zu Gute. Einige Schritte weiter steht eine zweite Gruppe der Zoofreunde. In der speziell für den SchimpansenWald eingerichteten Informationsbude können Besucher für kleine Beträge ihren Namen auf ein großes Abbild des Menschenaffen eintragen. „Für die Besucher sind es oft Kleckerbeträge, aber viele kleine Spenden bewirken dann doch eine große Veränderung“, sagt der erste Vorsitzende. Deswegen ist eine Mitgliedschaft im Verein auch schon ab 15 Euro jährlich möglich. Ab 30 Euro im Jahr können die beliebten Tierpatenschaften erworben werden. Aber nicht nur Besucher spenden Geld. Durch die außerordentliche Lobbyarbeit kommen auch immer wieder zum Glück der Tiere große Summen in die Kasse für Fördergelder: Nachlässe, Unternehmensspenden und Stiftungen können die Zoofreunde auf ihre Seite ziehen.

Es ist ein besonderes Konzept, das die Zoofreunde Krefeld ehrenamtlich auf die Beine stellen und das vor allem durch unheimlich engagierte Seelen funktioniert: Durch diese Initiative wird der Zoo nicht nur als Freizeitzentrum in Krefeld immer beliebter, sondern langfristig schenkt dieses Engagement tierisches Leben. Im einzigen SchmetterlingsDschungel in NRW fühlt sich der Blaue Morphofalter auf jeden Fall pudelwohl.

Weitere Informationen zu den Zoofreunden: www.zoofreunde-krefeld.de